Das Schloss Lieser

Das markanteste Gebäude in Lieser ist das Lieserer Schloss, das im vorigen Jahrhundert von den Freiherren Schorlemer im Gründerzeitstil innmitten eines feudalen Parkes erbaut wurde.

Historische Hintergrund-Geschichten:

Das Schloß Lieser steht an der Stelle eines 1710 errichteten Hofhauses eines Kirchenguts, möglicherweise eines ehemaligen kurtrierischen Hofes. Schloß Lieser (d.h. das Herrenhaus) besteht aus zwei Bauteilen, einem älteren Bauteil (von der Mosel aus gesehen der etwas größere rechte Teil) in Formen der Neo-Renaissance und dem jüngeren Bauteil in den Formen des Jugendstils. Architekt des älteren Bauteils -erbaut 1884 - 1887 - war Heinrich Theodor Schmidt. Er hatte sich im Frankfurter Raum als Villenspezialist einen Namen gemacht aber auch öffentliche Bauten entworfen. Zu seinen Bauten gehörten das Aquarium im Zoologischen Garten in Frankfurt, der Wiederaufbau des 1878 durch Brand zerstörten Palmengarten-Gesellschaftshauses in Frankfurt, die Villa Holzmann am Untermainkai für den Bauunternehmer Philipp Holzmann. Beteiligt war er auch an den Restaurierungsaufgaben der Burg Elz. Nach Abriss vieler seiner Bauten geriet er weitgehend in Vergessenheit. Erbauer des älteren Bauteils war der Fabrikant Eduard Puricelli (1826-1893). Sein Vater Heinrich gehörte zusammen mit seinen beiden älteren Brüdern zu den Betreibern des Rheinböller Eisenwerks. Eduard Puricelli gründete und leitete mehrerer Gaswerke, u.a. auch in Trier und die Rheinböller Hütte. Puricelli bewarb sich für katholische und konservative Parteien mehrmals um Abgeordnetenmandate und gehörte dem Konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes an. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 setzte sich Puricelli aus wirtschaftlichen Gründen zusammen mit elf anderen Trierer Unternehmen für die Annexion Lothringens ein. Eduard Puricellis Tochter Maria, Alleinerbin der elterlichen Besitzungen heiratete 1880 den hohen preußischen Beamten Dr. Clemens Freiherr von Schorlemer-Alst (1856-1922). Durch seine Tätigkeit im preußischen Verwaltungsdienst machte Clemens von Schorlemer die Bekanntschaft Kaiser Wilhelms II., der ihn sehr schätzte. Dreimal war der Kaiser Gast im Schloß. Aus den erhaltenen Protokollen dieser Besuche geht hervor, wie minutiös der Ablauf geplant war. Nicht einmal das korrekte Erscheinungsbild des Dorfpolizisten wurde dem Zufall überlassen. Nach dem Tod von Dr. Clemens Freiherr von Schorlemer-Alst umfassten die Besitzungen neben der expandierenden Rheinböller Hütte umfangreiche Weingüter in Lieser, Zeltingen, Wintrich, Graach und Brauneberg, neu angelegte Weinlagen bei Serrig und Ockfen, Waldbesitzungen in Winterhauch an der Nahe und bei Merxheim, sowie Grundstücke und Häuser in Trier. Bemerkenswert an diesem Bauteil ist, daß das Erdgeschoß - um der ständig drohenden Hochwassergefahr so weit wie möglich zu entgehen - nur aus Keller- und Wirtschaftsräumen besteht. Den Kern der Villa bildet ein in vier Geschosse untergliederter Hauptpavillon mit vorgelagertem Frontturm. Nach Osten schließt sich die Hauskapelle an, nach Westen ein dreigeschossiger Seitenflügel An der Westseite des älteren Bauteils schließt sich der Neubau an, durch den die Villa zur Schlossanlage erweitert wurde. Ein dreigeschossiger Zwischentrakt verbindet beide Bauteile. Der Anbau wurde erforderlich, als sich Maria und Clemens von Schorlemer-Alst auf Schloss Lieser niederließen. Wann der Bau genau errichtet wurde ist nicht mehr nachzuvollziehen. Die Literatur bietet einander widersprechende Daten, die alle in die Zeit zwischen 1895 und 1906 fallen. Auch wenn sich die (Jungendstil-) Detailformen vom älteren Teil des Schlosses unterschieden, wo war der nicht namentlich bekannte Architekt durch einen ähnlichen Gebäudeaufbau und die Wahl des Baumaterials den Eindruck einer einheitlichen Gesamtanlage zu erzielen. Das Schloß verfügte über ein eigenes Elektrizitätswerk, welches Schorlemer 1901 errichten lies. Teile der Innenausstattung aus der Zeit der Erbauung (Türen, Öfen, offene Kamine, Treppen, Türen sind noch vorhanden. Im Jahr 1981 kaufte die Gemeinde Lieser die Schlossanlage mit Nebengebäuden von der Familie Schorlemer-Lieser. In diesem Zusammenhang wurde die Anlage unter Denkmalschutz gestellt. Die letzte Bewohnerin war Marliese Rheinen (1898-1990), verwitwete Freifrau von Schorlemer-Lieser. Nach ihrem Tod stand das Gebäude über 10 Jahre leer und wurde lediglich einmal jährlich zu Pfingsten für das Schlossfest genutzt.
(Dorothe Werner; Schloß Lieser an der Mosel) http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=216

Das Schloss wurde zwischenzeitlich an Herrn P.J.M. KILLAARS verkauft. Der weitere Werdegang kann unter der Internetadresse
http://www.schlosslieser.de verfolgt werden.